Liebe

Kaum ein Begriff wird in meiner Praxis so häufig verwendet und zugleich so unterschiedlich erlebt wie das Wort LIEBE. In der Paartherapie und Sexualberatung begegnet sie mir mal als Sehnsucht, mal als Schmerz, als Hoffnung – und manchmal als leise Ahnung davon, dass da „mehr“ ist als das, was wir im Alltag miteinander leben.

Paare verwechseln ein Gefühl intensiver Verliebtheit oft mit Liebe. Die erste Phase einer Beziehung ist geprägt von Hormonen, Idealisierung und Verschmelzung. Man projiziert in den anderen das hinein, was einem selbst noch fehlt. Und scheint das perfekte Glück gefunden zu haben.

Doch wenn der Alltag einkehrt, treten Unterschiede, Verletzlichkeiten und alte Prägungen hervor. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich eine destruktive Dynamik aus Rückzug und Angriff entwickelt. Dann rutscht diese anfangs wunderbare Energie schnell in Bedürftigkeit und Enttäuschung ab.

 

Jeder möchte bedingungslos geliebt werden, aber niemand möchte bedingungslose Liebe geben.

Dann schlägt die Liebe schnell ins Gegenteil um. In Streit, Liebesentzug, Kontrolle, Langeweile, Ohnmacht, Verachtung, Vorwürfen oder sogar Gewalt. Das, was wir für wahre Liebe gehalten haben, entpuppt sich nun meistens nur als gegenseitige Abhängigkeit. Je mehr wir den anderen erpressen, manipulieren oder erziehen wollen, desto mehr entzieht sich der Zauber der Liebe.

An diesem Punkt entscheiden viele: „Die Liebe ist weg“. Vielleicht ist sie das gar nicht.

Vielleicht beginnt sie hier erst, wenn wir die Liebe nicht durch die romantische Brille sehen würden, sonder sie in erster Linie als ein Gefühl verstehen, das kommt und geht.

Liebe hat keine Beschaffenheit. Sie besteht aus keiner Idee, keiner Eigenschaft, keiner Zuordnung, keinem Tun, keinem Wollen, keiner Form und schon gar keinem Überbau aus Versprechungen oder Verträgen, indem wir sie für immer einsperren und festhalten wollen.

Liebe einfangen und konservieren zu wollen ist prinzipiell unmöglich. Es ähnelt dem Versuch, einen quirligen Gebirgsbach im Aquarium nach Hause tragen zu wollen – wir können das Wasser mitnehmen, aber das wichtigste Element wird fehlen: „der Fluss“.

 

Nicht: wer sollst du für mich sein? Sondern: wer bist du wirklich?

Liebe ist eine innere Haltung. Ein Gemisch aus Freiheit, im Moment sein und tiefer Freude aus sich selbst heraus. Sie ist ein Raum, der entsteht, wenn wir aufhören zu fordern oder den Partner besitzen zu wollen. Wenn wir beginnen, den anderen zu sehen, wie er wirklich ist. Sein Wesen anzuerkennen, statt ihn in der Andersartigkeit zu verurteilen. Gerade dann, wenn er nicht so ist, wie wir ihn gerne hätten. Liebe als Ausdruck von Respekt vor der Individualität des anderen.

Der schwerste Schritt -wenn wir wirklich lieben wollen- besteht sicher darin, Verantwortung für unsere eigenen (schmerzhaften) Gefühle zu übernehmen. Wo wir nicht den Partner dafür verantwortlich oder gar schuldig machen, dass wir uns (nicht) lebendig, sicher oder wertvoll fühlen. Liebe heißt dann: Ich begegne dir als eigenständigen und freien Menschen auf Augenhöhe – nicht als Lösung meiner inneren Leere. Dann stelle ich mich meinen Ängsten, meiner Eifersucht, allen inneren Dämonen und wachse innerlich.

Wenn zwei Menschen sich aus Bewusstheit und innerer Fülle begegnen, entsteht Beziehung als wohlwollender Austausch. Im Spiegel des anderen passiert gemeinsame Entwicklung hin zu mehr Echtheit, Präsenz und Offenheit.

 

Nur die Liebe führt zur Liebe

Was bedeutet das ganz konkret für Paare? Liebe braucht Pflege – nicht im Sinne ständiger Romantik, sondern durch ehrliche Gespräche, durch Zuhören ohne sofortige Verteidigung, durch die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen. Und manchmal fordert die Liebe auch Vergebung.

Sie braucht Mut zur Intimität. Im Englischen: Intimacy, Into mee see. Sich dem anderen zuzumuten, mit seinem ganzen Sein. Darüber entsteht eine tiefe emotionale Verbundenheit und schließlich auch das sexuelle Begehren.

Vielleicht ist Liebe auch eine Entscheidung. Eine Entscheidung, immer wieder neu hinzuschauen. Den anderen nicht auf seine Fehler zu reduzieren. Und auch sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen. Wenn wir uns selbst zutiefst in all unserem Sein verehren, mit all unseren Schmerzen und Narben, können wir unserem Partner ehrlich liebend gegenübertreten. Dann kann sich Liebe entfalten und ist kein flüchtiges Gefühl mehr, sondern eine bewusste Praxis. Sie wächst dort, wo zwei Menschen bereit sind, sich zu zeigen – mit Licht und Schatten. Und wo sie erkennen, dass der andere nicht dafür da ist, mich glücklich zu machen. Aber er ein wunderbarer Begleiter auf dem Weg ist, es selbst aus sich heraus zu werden. Wenn du ohne Bewertung im hier und jetzt bist, erlebst du magische Momente. Schaut euch in die Augen und schaut einfach… und staunt.

 

Liebe ist das was bleibt, wenn das Ego vollkommen kapituliert hat.

In meiner Praxis für Paartherapie und Sexualtherapie in Stein, oder auch mit meinem Onlinekurs, unterstütze ich euch gerne dabei, eure Liebe wieder zu finden. Gerne helfe ich euch mit meinem Wissen, Hausaufgaben und Gesprächen eure Herzverbundenheit wieder zu entdecken.

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